Die Salzburger Kunstgeschichte auf der documenta fifteen

Gemeinsam mit Mareike Herbstreit besuchten Studierende der Kunstgeschichte am 21. und 22. Juli die documenta fifteen im hessischen Kassel. Dank einer Kooperation mit dem Kunstverein Wolfenbüttel gab es für jede:n eine kostenlose Tageskarte sowie die Möglichkeit zur Teilnahme an zwei Führungen.

Die alle fünf Jahre stattfindende documenta ist eine der weltweit wichtigsten Kunstausstellungen; sie verhandelt, was aktuell als zeitgenössisch gilt und das jeweilige kuratorische Konzept gilt als wegweisend. In diesem Jahr hat das Künstler:innenkollektiv ruangrupa aus Indonesien die künstlerische Leitung übernommen und thematisiert auf der documenta fifteen insbesondere Anliegen des sogenannten globalen Südens. Das Vorgehen von ruangrupa führt (nicht anders als die Themen der vorausgegangenen documentas) zu Kontroversen und auch wir haben uns mit den entsprechenden Fragen auseinandergesetzt: Müssen wir uns beispielsweise von einem europäisch geprägten modernen Kunstbegriff verabschieden? Wie funktioniert eine Ausstellung, die weitgehend auf die Nennung einzelner Künstler:innen verzichtet und zudem vorwiegend Prozesse anstatt statische Kunstwerke präsentiert? Nicht zuletzt: Auf welche Weise kann eine Umverteilung im Feld der Kunst überhaupt realisiert werden? Die Befürchtung, die documenta fifteen zeige u.a. antisemitische Standpunkte, haben wir selbstverständlich ebenfalls diskutiert und vor Ort mit dem abgeglichen, was ausgestellt war. Summa summarum lässt sich für unsere kleine Reisegruppe festhalten, dass eines der erklärten Ziele der documenta fifteen erreicht wurde: Miteinander ins Gespräch zu kommen. Oder wie ruangrupa in einem Booklet über Kulturmanagement schon vor zehn Jahren aufforderte: Make Friends Not Art 😉

 

Die Salzburger Kunstgeschichte auf der documenta fifteen.
Das Fridericianum, das traditionell das Herz der documenta bildet. Seine Säulen wurden von Dan Perjovschi geschwärzten und erinnern mit den weißen Statements und kleinen Zeichnungen an Kreidetafeln. Vielleicht eine Anlehnung an die Kreidetafeln die Joseph Beuys bei seinem „Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ auf der documenta 5 verwendete. Bei diesem Beitrag von Beuys stand ebenfalls das Gespräch im Zentrum, so wie es nun für die documenta fifteen gilt.
Studierende im Gespräch mit der Geschäftsführerin des Kunstvereins Wolfenbüttel inmitten der Sondernummer der „Horizontalen Zeitung“ von Dan Perjovschi vor dem Kulturbahnhof. Die Zeitung wird im Laufe der 100 Tage der documenta fortlaufend mit visuellen Beiträgen auf den neuesten Stand gebracht.
In der documenta Halle. Die Halfpipe wurde auf Wunsch des tailändischen Kollektivs Baan Noorg Collaborative Arts and Culture aufgestellt. Sie darf nicht nur genutzt werden, sondern es finden in Kooperation mit dem Kasseler Skateboardverein Mr. Wilson Skatehalle auch Workshops statt.
Plakat vor dem Ausstellungsort WH22 zur Frage „Where Is The Art?“, die nicht ohne Selbstironie von einer gleichnamigen Arbeitsgruppe auf der documenta fifteen behandelt wird.

Fotos: Karin Buchauer, Mareike Herbstreit